Reiki mit Behinderung, Teil 1 – Eine Reiki-Kindergeschichte von Michaela Weidner

Kennst du auch Menschen, die mit einer Behinderung leben? Vor einiger Zeit hat Andreas mein Buch „Reiki-Kindergeschichten“ bei mir bestellt. So habe ich ihn näher kennen gelernt. Andreas ist behindert und macht auch Reiki. Weil er ein ganz besonderer Mann ist, möchte ich dir ein bisschen von ihm berichten.

Das Medikament Contergan

Vor ungefähr 50 Jahren verschrieben die Ärzte ein Schmerz-Medikament mit dem Namen Contergan. Bevor Medikamente zum Verkauf freigegeben werden, so die rechtlichen Vorschriften, werden sie getestet – meistens an Tieren, aber auch an Menschen, die sich dafür zur Verfügung stellen. Das Medikament Contergan schien den Test bestanden zu haben. Kranken Menschen konnte damit geholfen werden. Unglücklicherweise stellte sich erst viel später heraus, dass Contergan bei Schwangerschaft gefährlich war. Viele Babys im Bauch werdender Mütter, die Contergan nahmen, konnten sich nicht richtig entwickeln. Das Medikament wirkte sich wachstumshemmend auf den Organismus aus. So wurden viele Kinder ohne Arme oder ohne Beine geboren. Nachdem die Ursache hierfür entdeckt wurde, ist das Medikament verboten worden.

Andreas wurde ohne Beine geboren

Andreas gehört zu den Menschen, die durch dieses Medikament behindert zur Welt kamen. Er wurde ohne Beine geboren. Nur ein kurzes Stück seiner Oberschenkel ist vorhanden. Inzwischen kommt er damit wunderbar klar und er fühlt sich wohl in seinem Leben. Das war aber nicht immer so. Als Kind wurde er von anderen Kindern oft gehänselt. Da er mit seinem Rollstuhl nicht überall mitmachen konnte, war er meistens der Außenseiter. Das hat ihn verletzt und er hat sehr darunter gelitten. „Kinder können grausam sein!“, erklärte mir Andreas bei unserem Telefonat.

Die Mama stirbt sehr früh

Ein weiteres schlimmes Ereignis belastete seine Kindheit: Andreas war erst sechs Jahre alt, als seine Mama gestorben ist. Ab diesem Zeitpunkt waren sein Papa und er auf sich allein gestellt. Obwohl die zwei die Mama sehr vermisst haben, hat das Zusammenleben der beiden ganz gut geklappt. Andreas Vater hat ihn ständig dazu ermutigt, mobil zu sein und alles erst einmal selbst auszuprobieren. Erst, wenn sein Vater sah, dass die Aufgabe wirklich zu schwierig war, half er seinem Sohn. Vater und Sohn haben so immer fest zusammengehalten. Das war ein großes Glück für Andreas. Dafür ist er seinem Papa sehr dankbar!

Selbstständiges Leben

Andreas ist schon seit vielen Jahren erwachsen. Weil sein Vater ihn immer dazu animiert hat, selbstständig zu sein, lebt er in einer ganz normal eingerichteten Wohnung. Ganz stolz berichtete er mir, dass er sämtliche Hausarbeiten allein erledigt und sogar seine Fenster selbst putzt.
Andreas ist ständig auf seinen Rollstuhl angewiesen. „Dennoch stehe ich mit beiden Beinen fest im Leben“, erklärt er mit fester Stimme.

Tauchen mit Behinderung

Er ist Vollzeit berufstätig und hat auch zwei ganz tolle Hobbys. Stell dir vor, Andreas taucht und reitet für sein Leben gerne. Trotz Behinderung ist beides für ihn möglich. Vom Tauchen träumte er schon als kleines Kind. Wenn im Fernsehen etwas über das Meer und seine Bewohner berichtet wurde, war er nicht vom Bildschirm wegzubekommen. Die Unterwasserbilder faszinierten ihn sehr. Selbstverständlich besitzt er auch einige Bücher darüber. Damals konnte er sich nicht vorstellen, dass er mit seiner Behinderung jemals die Möglichkeit haben könnte, selbst zu tauchen. Als Erwachsener hatte er aber dann doch die Chance es auszuprobieren und schließlich richtig zu erlernen. Mittlerweile hat er schon weit über 100 Tauchgänge hinter sich. Zum Schwimmen und Tauchen nutzt er größtenteils seine Arme. Mit den Beinen kann er nur ganz wenig zur Fortbewegung beitragen. Er genießt seine Zeit unter Wasser immer sehr und besonders seine Kontakte mit den Delfinen.

Von Andreas zweitem Hobby, dem Reiten, berichte ich dir in einem späteren Beitrag.

Wie hat Andreas Reiki kennengelernt?

Nun sollst du erst einmal erfahren, wie Andreas zu Reiki gekommen ist.

Aufgrund seiner Behinderung macht er jedes Jahr eine Kur in einer Reha-Klinik. Dort hat er eine Frau kennen gelernt, die Reiki-Meisterin ist. Dieser Frau fiel gleich auf, dass Andreas einen sehr guten Draht zu Tieren hat. „Das hat sie richtig erkannt! Es scheint, als würden sich Tiere von mir magisch angezogen fühlen. Das war schon immer so! Sie spüren vermutlich, dass es mir guttut, wenn sie in meiner Nähe sind“, meinte er überzeugt. „Dann fragte mich die Reiki-Meisterin, ob ich schon einmal etwas von Reiki gehört hätte. Da dies noch nicht der Fall war, erzählte sie mir einiges davon und machte mich richtig neugierig darauf. Ich wollte unbedingt mehr darüber erfahren, vor allem, wollte ich Reiki selbst spüren. Schließlich bot sie mir an, mir eine Reiki-Behandlung zu geben, was ich dankend annahm.

Andreas bekommt Reiki-Behandlungen

Am selben Abend bekam ich eine Stunde Reiki von ihr. Diese Behandlung hat mir so gutgetan und war so angenehm, dass ich gleich am nächsten Tag um eine weitere Sitzung bat. Auch die zweite Behandlung war phänomenal für mich. Von da an hat mich das Thema Reiki nicht mehr losgelassen. Ich war so begeistert von Reiki, dass die Reiki-Meisterin mich fragte, ob ich Reiki gerne selbst erlernen möchte. Voller Freude über diese wundervolle Möglichkeit, sagte ich zu.

Reiki-Einweihung in den 1. Grad

So bekam ich von ihr die Reiki-Einweihung in den I. Grad. Die Gefühle und Erlebnisse bei der Einweihung und auch danach waren für mich total genial und sehr angenehm. Reiki ist jetzt mein ständiger Begleiter. Ich finde es fantastisch, dass ich mir Reiki nun selbst geben kann, egal, wo ich bin und wann immer ich es möchte. Meine Hände habe ich immer dabei und kann sie mir auflegen. Um noch mehr über Reiki zu erfahren habe ich inzwischen ganz viele Reiki-Bücher gelesen, ja auch dein Buch ‚Reiki-Kindergeschichten’.“

Andreas gibt Reiki anderen Menschen und Tieren

Reiki mit Behinderung 1„Gibst du dir Reiki nur selbst oder bekommen es auch andere von dir“, fragte ich Andreas. „Ich gebe Reiki auch sehr gerne anderen Menschen und selbstverständlich auch Tieren. Als ich letztes Jahr in der Kur war, habe ich ein paar Menschen Reiki geben dürfen. Dort konnte ich mit einem der Patienten eine ganz besondere Reiki-Erfahrung machen….“

Andreas hat mir noch so einiges über sich und sein Leben mit Reiki berichtet. Weil ich es so spannend finde, wie er Reiki lebt und damit umgeht, habe ich beschlossen, dir noch mehr von ihm zu berichten. Beim nächsten Mal erfährst du von Reiki-Erlebnissen, die Andreas mit Menschen hatte und in einem 3. Teil kannst du über seine Erfahrungen mit Tieren lesen.

 

Weitere Reiki-Kindergeschichten findest du in meinem gleichnamigen Buch. Es kann hier bestellt werden: Reiki-Kindergeschichten

Stets aktuelle Geschichten von mir finden Sie im Reiki Magazin. Probehefte und Infos zum Abo gibt es hier: Probeheft und Abo – Reiki Magazin
Nun wünsche ich viel Freude mit der Reiki-Kindergeschichte „Reiki mit Behinderung, Teil 1“, erschienen im Reiki Magazin, Ausgabe 3/2012.